VCD sieht Jahrhunderchance für den Nahverkehr

Rund 40 Bürgerinnen und Bürger aus Schallstadt, Freiburg, dem Umland sowie aus Bad Krozingen haben am Mittwochabend an der Informationsveranstaltung des Klimaforums Schallstadt zum geplanten Ausbau der Rheintalbahn teilgenommen. Das Publikum setzte sich aus Befürwortern, kritischen Stimmen und neutral Interessierten zusammen. Dieses breite Spektrum zeigt die Bedeutung des Themas für die Region.

Die Veranstaltung fand im Evangelischen Gemeindehaus Wolfenweiler statt und wurde von Robert Blatter aus der AG Mobilität eröffnet. In seiner Begrüßung betonte er, dass das Klimaforum keine Position für oder gegen die aktuellen Planungen der Deutschen Bahn einnimmt, sondern Raum für Information und Austausch schaffen möchte.
Wir möchten zur Meinungsbildung beitragen und unterschiedliche Perspektiven hörbar machen.“

VCD: Westbahn als Schlüssel für einen starken Nahverkehr
Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag des Verkehrsclub Deutschland (VCD), vertreten durch Olaf Haas, Florian Kraemer und Jonas Rösch. Der VCD präsentierte seine Einschätzungen anhand von Karten, Daten und wissenschaftlich begleiteten Berechnungen zur Streckenauslastung, Geschwindigkeit und Anschlusserreichbarkeit.

Nach Auffassung des VCD bietet der geplante Ausbau der Bestandsstrecke bei Schallstadt eine „Jahrhundertchance“ für den regionalen Nahverkehr. Besonders hob der Verband die Möglichkeit einer neuen S-Bahn-Linie, der „Westbahn“, hervor. Sie könnte über die künftig nicht mehr benötigte Güterbahn durch den Westen Freiburgs führen.
Jonas Rösch (VCD) formulierte es so:
Die Westbahn verbindet Industriegebiete, Stadtteile und wichtige Orte wie die Uniklinik, die Messe, das SC‑Stadion oder das Behördenviertel miteinander. Zehntausende Menschen, die dort arbeiten, zur Schule gehen oder medizinische Leistungen in Anspruch nehmen, würden profitieren. Und der Hauptbahnhof, der längst an seiner Belastungsgrenze ist, würde spürbar entlastet.

Diese Westbahn hätte nach Darstellung des VCD drei zentrale Vorteile:
>> Während der Bauphase könnte sie genutzt werden, um die Anbindung an den Freiburger Hauptbahnhof und an Arbeitsorte für die Region aufrechtzuerhalten.
>> Nach Abschluss der Arbeiten würde sie direkte Verbindungen von Schallstadt und Bad Krozingen zur Uniklinik, zum SC‑Stadion und ins Industriegebiet Nord ermöglichen.
>> Erstmals wäre auch die Durchbindung der Elztalbahn zur Münstertalbahn möglich. Der VCD schlägt vor, die S-Bahnen abwechselnd über den Hauptbahnhof und über die Westbahn fahren zu lassen, sodass sich das Angebot für die Region erweitert.

Darüber hinaus stellte der VCD die „Variante 5“ vor, die ein zweites Gleis für die Breisacher Bahn und Verbindungskurven zur Neubaustrecke an der A5 bedeuten würde. So könnten ICEs und der RE7 den Hauptbahnhof weiterhin anfahren. Der Bahnhof bliebe wie gewohnt nutzbar. Damit wäre während der bis zu zehnjährigen Bauphase kein Bus‑Ersatzverkehr nötig.

Für die Umsetzung dieser Optionen seien kurzfristige Änderungen an der DB‑Planung nötig. Der VCD appellierte daher besonders an die kommunalen Verwaltungen und Politiker und den zuständigen Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) jetzt zu handeln, bevor die Chance verstreiche.

Auf Basis seiner Berechnungen hält der VCD auch den Tunnel bei Schallstadt für erforderlich, um künftig einen verlässlichen und dichten S-Bahn-Takt – etwa im 15‑Minuten‑Rhythmus – zu ermöglichen. Auf zwei Gleisen reiche die Kapazität nicht für ICEs, REs, RBs, S-Bahnen und einzelne Güterzüge zugleich.“ Gleichzeitig forderte der VCD sozial gerechte Lösungen und Entschädigungen für betroffene Bewohner und Landwirte.

Kontroverse Diskussion – zwischen Chancen und Belastungen
Die anschließende Diskussion verlief lebhaft und kontrovers. Viele Teilnehmende äußerten positive Rückmeldungen zum sachlichen Vortrag des VCD und stellten vertiefende Fragen zur praktischen Umsetzung der Westbahn und zu den kommunalen Handlungsmöglichkeiten.
Gleichzeitig wurde deutliche Kritik an den Planungen der Deutschen Bahn geäußert. Besonders kritisch sahen Teilnehmende die Belastungen für Schallstadt: den geplanten Tunnel, die vor‑ und nachgelagerten Bauwerke und den Abriss mehrerer Wohnhäuser.“ Für manche bleibt das Projekt daher ein „No‑Go“.

Beim Thema Finanzierung wurde mehrfach auf die klammen Kassen der Kommunen hingewiesen. Wie sollen zusätzliche Gleise und Haltestellen finanziert werden? Der VCD argumentierte hingegen, dass zum einen die Gleise der Westbahn bereits liegen und durch die Integration der Westbahn in das DB‑Konzept sowie durch Landes‑ und Bundesförderungen, die über 90 Prozent der Kosten decken würden, eine Umsetzung endlich greifbar werde. Gleichzeitig wurde kritisiert, der Bund „verschleudere“ im Bereich Schallstadt hunderte Millionen Euro. Der VCD sieht darin aber „die Jahrhundertchance, mit dieser Investition auch den Nahverkehr endlich stabil aufzustellen.

Fazit
Der Abend zeigte, wie groß das Informationsbedürfnis in der Region ist und wie stark die Planungen der Rheintalbahn die Menschen bewegen. Roland Schöttle, einer der Gesamtsprecher des Klimaforums, fasste im Nachgang zusammen:
Wir sind extrem dankbar, dass wir in Schallstadt, wo dieses Thema hochbrisant und emotional ist, eine so kontroverse, aber konstruktive Diskussion führen konnten. Was alle vereint, ist die Suche nach der besten Lösung für unsere Region.“

Das Klimaforum Schallstadt wird die Diskussion weiter begleiten und sieht seine Aufgabe darin, sachliche Informationen bereitzustellen und den Austausch zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Initiativen und Fachverbänden zu fördern.
Kontakt AG Mobilität: Robert Blatter, Mobilitaet@klimaforum-schallstadt.de

VCD Kurzbeschreibung
Der Verkehrsclub Deutschland ist ein gemeinnütziger Umwelt- und Verkehrsverband, der sich bundesweit für eine umweltverträgliche, sichere und sozial gerechte Mobilität einsetzt. Der Verband verfügt über rund 150 Ortsgruppen mit insgesamt ca. 50 000 Mitgliedern, die sich überwiegend ehrenamtlich engagieren. Der Regionalverband Südbaden ist mit mehreren Ortsgruppen in der Region vertreten. Der VCD arbeitet an Konzepten für nachhaltigen Verkehr, begleitet Infrastrukturprojekte kritisch und konstruktiv und bringt seine Expertise in politische Entscheidungsprozesse ein.

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