Familienurlaub nach Südfrankreich mit dem E-Auto – (wie) geht das?

Zwei Erwachsene, zwei Teenager, ein Hund und Gepäck für 10 Tage Urlaub. Das alles musste in und auf unser E-Auto der Marke Kia Niro EV (2021). So ging es in unseren Pfingsturlaub 2024 von Schallstadt in das 830 Kilometer (km) entfernte Narbonne Plage in Südfrankreich.

Um es vorweg zu sagen: Für uns als erfahrene E-Auto Fahrer, die mit diesem Auto bereits fast 80.000 km zurückgelegt haben, war das keine große Herausforderung. Es gibt aber ein paar Dinge, die man vorher wissen und berücksichtigen sollte und die wir in diesem Artikel beispielhaft aufzeigen möchten.

Ganz generell mögen wir das elektrische Fahren mit unserem Fahrzeug sehr. Uns überzeugt das angenehme Fahrgefühl, die schnelle und direkte Beschleunigung, die Alltagstauglichkeit mit 380-450 km Reichweite, die niedrigen Treibstoffkosten im Alltag und die bessere CO2 Bilanz im Vergleich zu einem Auto mit Verbrennungsmotor.1 Dabei wollen wir aber nicht vergessen, dass auch ein Elektroauto Umweltschäden verursacht, Platz braucht und Geld kostet. Aus beruflichen und privaten Gründen sehen wir derzeit aber keine halbwegs praktikable Möglichkeit auf ein eigenes Auto zu verzichten. Immerhin gibt es in Schallstadt mit Car-Sharing, Bus und Bahn schon gute Alternativen, die uns zumindest ein Zweitauto ersparen.

Doch zurück zu unserem Urlaub. Weil der Kofferraum mit der Hundebox schon ziemlich voll war, musste der Großteil des Gepäcks in die Dachbox. Die Dachbox ist für uns bei solchen Reisen unverzichtbar, mit Blick auf den Energieverbrauch aber ziemlich ungünstig. Beim Elektroauto ist der Energieverbrauch in Kombination mit der Batteriekapazität und den Lademöglichkeiten darüber entscheidend, ob die Fahrt in den Familienurlaub zum Spaß oder zur Herausforderung wird.

Unser Auto hat einen Akku, der 64 Kilowattstunden (kWh) Energie speichern kann. Wie viel Kilometer man damit fahren kann, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, insbesondere von der Außentemperatur, dem Fahrstil, der Fahrtgeschwindigkeit, dem Streckenverlauf und dem hinzugeladenen Gewicht. Deshalb ist eine Urlaubsfahrt über einige hundert Kilometer Autobahn mit vollgepacktem Auto und Dachbox hinsichtlich des Energieverbrauchs etwas ganz anderes, als die Alltagsfahrten auf Orts- und Landstraßen.

Hier müssen wir noch einmal etwas ausholen um die Relationen zu verstehen. Im Alltag verbraucht unser Auto circa 14,7 kWh auf 100 km, womit eine Akkuladung rechnerisch einer Reichweite von 435 km entspricht. Um den Akku aber möglichst schonend zu nutzen, halten wir den Akkustand im Bereich von 20-80 %. Das heißt, wir laden im Regelfall ca. alle 250 Kilometer nach. Das geht in Schallstadt z. B. über öffentliche Ladestationen. Von denen gibt es inzwischen einige und wir sind damit auch schon über mehrere Monate gut zurecht gekommen, als wir keine eigene Ladestation (Wallbox) hatten. Eine eigene Ladestation ist aber sehr viel komfortabler und kostengünstiger. Wir beziehen den Strom aus dem Netz über den Hauszähler. Eine eigene Photovoltaikanlage wäre natürlich hinsichtlich Kosten und Nachhaltigkeit die bessere Lösung.

Nun gut, in unserem Alltag ist die Reichweite also kein Thema. Bei der Fahrt in den Urlaub aber schon. Die Strecke war lang und der Durchschnittsverbrauch des vollgepackten Autos mit Dachbox, bei der von uns bevorzugten Geschwindigkeit von 110-120 km/h, war mit 19,6 kWh pro 100 km sehr viel höher als im Alltag.2 Rein rechnerisch würden wir also mit vollem 64 kWh Akku nur noch 326 km weit kommen. Der Verbrauch liegt bei einer solchen Fahrt also ca. 30% höher.

Was bedeutete das nun in der der Praxis für unsere Urlaubsfahrt?
Wir hatten das Auto vor Fahrtbeginn auf 100 % geladen und sind dann 250 Kilometer bis zur ersten Pinkel- und Ladepause an eine Raststätte gefahren. Am Schnelllader braucht unser Auto ca. 45 min um von 20 auf 80 Prozent zu laden. Da der Ladevorgang technisch bedingt in diesem Bereich am schnellsten ist, lohnt es sich zeitlich in der Regel nicht, es auf über 80% zu laden. Das bedeutete aber auch, dass wir dann jeweils nach ca. 200-220 km den nächsten Ladestopp machen mussten. Insgesamt haben wir auf der Hinfahrt drei Ladestopps gemacht. Damit waren wir für 830 km circa 11 Stunden unterwegs, von denen wir gut 2,5 Stunden Pause gemacht haben.

An dieser Stelle muss gesagt werden, dass das Ladenetz in Frankreich entlang unserer Route (s. unten) ausgezeichnet ist und man nach unserer Beobachtung an fast jeder Raststätte Schnelllader findet. Zudem gibt es vor jeder Abfahrt zu einer Raststätte ein Schild, auf dem steht, wie weit es bis zur nächsten Raststätte ist und ob es dort eine Lademöglichkeit für E-Autos gibt. Um auf Nummer sicher zu gehen, falls das Laden mal nicht klappen sollte, hatten wir versucht, nicht unter eine Restreichweite von 50 Kilometer zu kommen. Das Laden hat aber überall funktioniert und es waren immer genügend freie Plätze vorhanden. Für das Laden unterwegs haben wir uns eine Ladekarte eines großen Anbieters zugelegt, die praktisch überall akzeptiert wird (EnBW). Man hält zum Starten des Ladevorgangs die Karte einfach kurz an das Lesegerät bzw. das Display der Ladesäule, so wie man es vom kontaktlosen Bezahlen im Supermarkt kennt.

Sicherlich werden an dieser Stelle die Meinungen auseinander gehen, ob das E-Auto für den eigenen Familienurlaub wirklich praktikabel ist. Wem es wichtig ist, lange Strecken von mehr als 200 km am Stück zu fahren, wer schneller als 120 km/h fahren möchte und für wen Ladepausen von 45 min nicht akzeptabel sind, für den wäre zumindest unser E-Auto-Modell plus Dachbox kein Vergnügen. Hier sei aber angemerkt, dass die technischen Fortschritte sehr schnell sind und neuere Autos teilweise schon in 15-20 min von 20 auf 80% laden und es inzwischen auch Kombimodelle mit mehr Platz im Innenraum gibt.

Für uns sind die regelmäßigen Pausen aber absolut in Ordnung. Um ein bis zweimal jährlich mit der ganzen Familie eine längere Strecke zurückzulegen, sind wir gerne etwas gemütlicher unterwegs. Insofern hat sich das E-Auto für uns auch im Urlaub als gute Entscheidung erwiesen.

Übrigens gab es vor Ort auf dem Campingplatz in Narbonne Plage eine Ladestation, die wir ebenfalls mit unserer Ladekarte nutzen konnten. Eine Ladestation direkt am Übernachtungsort ist natürlich optimal. Und je nachdem wo man hin fährt, sollte man sich vorher erkundigen, ob es Ladestationen in der näheren Umgebung gibt und ob es ggf. auch Schnelllader gibt (z. B. über die App des Ladekartenanbieters). Wir waren mit unserem Auto auch schon auf der Insel Elba, wo es auf der ganzen Insel nur ein paar 11 kW Lader gab und keinen einzigen Schnelllader. Das ging zwar auch aber erforderte durchaus etwas Planung, um das Auto von Zeit zu Zeit für ein paar Stunden an den Strom zu hängen.

Die Rückreise aus Südfrankreich verlief dann ähnlich wie die Hinfahrt, wobei wir eine Zwischenübernachtung in Avignon gemacht haben. Von dort sind wir nur mit 85% Akkustand losgefahren und mussten entsprechend den ersten Stopp etwas früher als bei der Hinfahrt einlegen. Die Routen mit allen Ladestopps entlang der Autobahn sind in der Abbildung anbei aufgeführt.

Zum Schluss wäre nur noch anzumerken, dass der Urlaub in Narbonne Plage wunderbar und erholsam war und von uns nur empfohlen werden kann.

Für Lob, Kritik und weitere Fragen freuen wir uns über eine Rückmeldung an: mobilitaet@klimaforum-schallstadt.de

Anmerkungen:

1 Weitere Informationen zur Elektromobilität (Auswahl):

2 Zum Vergleich: Mit vier Personen aber ohne Dachbox, Gepäck, ähnlichen Wetterbedingungen und Geschwindigkeit, hatten wir auf der A5 nach Heidelberg einen Verbrauch von nur 16,5 kWh pro 100 km.